Wissen

Maurerhandwerk, verständlich erklärt

Kurze, ehrliche Beiträge aus der Praxis — warum altes Mauerwerk anders tickt, woran man Schäden früh erkennt und worauf es beim Bauen im Bestand wirklich ankommt.

Denkmal & Bestand

Kalkmörtel oder Zement? Warum der Mörtel zum Bestand passen muss

Altes Mauerwerk „arbeitet": Es nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab, es bewegt sich leicht. Historische Wände wurden fast immer mit weichem Kalkmörtel gemauert, der genau das mitmacht.

Wer hier mit hartem Zementmörtel saniert, macht oft mehr kaputt als heil. Der Zement ist steifer und dichter als der alte Stein — Feuchte staut sich, der weichere Ziegel platzt an den Kanten ab, und der Schaden wandert weiter ins Mauerwerk.

Wir wählen den Mörtel deshalb nach dem Bestand, nicht nach Gewohnheit — beim Denkmal in Abstimmung mit der Denkmalpflege. Faustregel: lieber etwas weicher als der Stein, nie härter.

Infografik: weicher Kalkmörtel lässt die Wand atmen, harter Zementmörtel staut Feuchte und lässt Ziegel abplatzen
Sanierung

Risse im Mauerwerk: wann sie harmlos sind – und wann nicht

Nicht jeder Riss ist ein Grund zur Sorge. Feine, haarbreite Risse im Putz entstehen oft durch Temperatur und Trocknung — die sind kosmetisch.

Hinschauen sollte man, wenn Risse breiter als ein bis zwei Millimeter sind, schräg durch die Steine statt nur durch die Fugen laufen oder sich mit der Zeit erkennbar weiten. Das deutet auf Bewegung im Bauwerk hin: Setzungen, ein nachgebendes Fundament oder überlastete Bauteile.

Ein einfacher Test: eine Markierung über den Riss setzen und nach ein paar Wochen prüfen. Wandert er, schauen wir uns die Ursache an, bevor zugespachtelt wird. Einen aktiven Riss nur zu verputzen, verschiebt das Problem nur.

Infografik: harmloser Haarriss im Putz gegenüber ernstem Riss ab 2 mm schräg durch die Steine
Keller & Beton

Feuchter Keller: meist liegt es nicht am Wasser von außen

Wenn der Keller müffelt, denken viele sofort an drückendes Grundwasser. In Altbauten ist die häufigere Ursache aber aufsteigende Feuchte: Das Mauerwerk saugt Wasser aus dem Boden nach oben, weil eine waagerechte Sperre fehlt oder gealtert ist.

Auch Kondenswasser spielt mit. Warme Sommerluft schlägt sich an kühlen Kellerwänden nieder — falsches Lüften macht es dann schlimmer statt besser.

Bevor wir abdichten, klären wir deshalb erst, woher die Feuchte kommt. Eine Außenabdichtung gegen drückendes Wasser hilft nicht gegen aufsteigende Feuchte — und umgekehrt. Für echtes drückendes Wasser ist der WU-Keller die saubere Lösung; für aufsteigende Feuchte braucht es eine neue Horizontalsperre.

Infografik: drei Ursachen für feuchte Kellerwände – aufsteigende Feuchte, Kondenswasser und drückendes Wasser von außen
Umbau im Bestand

Wanddurchbruch im Altbau: was vorher geklärt sein muss

Eine Wand rauszunehmen wirkt einfach — bis man wissen muss, ob sie trägt. Tragende Wände leiten die Last der Decken und Geschosse darüber ab. Wird so eine Wand geöffnet, muss die Last über einen Sturz, meist einen Stahlträger, sauber abgefangen werden.

Vor dem ersten Schlag klären wir: Trägt die Wand? Wie groß darf die Öffnung werden? Welcher Träger, welche Auflager? Im Altbau kommt dabei oft Überraschendes zutage — alte Installationen, unregelmäßiges Mauerwerk, schiefe Lasten.

Deshalb gilt: erst die Statik, dann der Durchbruch. Wer hier spart, riskiert Risse bis ins Obergeschoss. Mit der richtigen Vorbereitung wird aus dem dunklen Altbau-Grundriss ein offener, heller Raum — ohne böse Überraschungen.

Infografik: Wanddurchbruch mit Stahlträger, der die Last der Decke über die Auflager abfängt

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